Am 12. März findet der internationale Weltnierentag statt. Wir sprachen mit François Verrey, Stiftungsrats Mitglied der Schweizerischen Nierenstiftung über die unterschätzte Volkskrankheit CKD  – und warum Klimaschutz auch Nierenschutz ist.

PRESTIGE Business: Herr Verrey, was bedeutet das 20-jährige Jubiläum des Weltnierentags für die Stiftung – und welche Meilensteine sind besonders wichtig?
François Verrey: Der Weltnierentag ist für uns jedes Jahr eine zentrale Gelegenheit, die Bedeutung der Nieren für die Gesundheit ins Bewusstsein zu rücken. Inhaltlich greifen die jeweiligen Jahresthemen wichtige Ziele der Stiftung auf – mit Fokus auf die Situation in der Schweiz. Besonders prägend war für uns das Thema 2025, das die frühe Diagnose der chronischen Nierenkrankheit und deren Prävention betonte.

Die WHO hat CKD erstmals zur globalen Priorität erklärt. Warum ist dieser Entscheid so wichtig?
Weil damit ein klares Signal gesetzt wird: Chronische Nierenkrankheit muss politisch und medizinisch ähnlich ernst genommen werden wie Krebs oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. CKD betrifft rund 10 Prozent der Bevölkerung – doch nur ein Bruchteil der Betroffenen weiss davon. Wird die Krankheit nicht erkannt und behandelt, kann sie bis zum Nierenversagen fortschreiten. Dann werden Dialyse oder Transplantation nötig – belastend für die Betroffenen und sehr kostspielig.

Das Motto 2026 lautet „Für Menschen sorgen, den Planeten bewahren“. Wie hängen Nierengesundheit und Klimaschutz konkret zusammen?
Es gibt einen Kreislauf: Klimaerwärmung und Umweltverschmutzung können die Nieren schädigen – umgekehrt belastet die Behandlung im fortgeschrittenen Stadium, insbesondere die Dialyse, die Umwelt.

Wie beeinflussen Luftverschmutzung oder Hitze das Risiko für CKD?
Hitze führt häufiger zu Flüssigkeitsverlust durch Schwitzen. Wenn das nicht regelmässig durch ausreichendes Trinken ausgeglichen wird, kann das die Nieren schädigen und im Extremfall zu Nierenversagen beitragen.

Welche Strategien verfolgt die Stiftung, um über CKD zu informieren – besonders rund um den Weltnierentag?
Wir informieren Bevölkerung und Ärzt:innen über verschiedene Kanäle. Eine wichtige Plattform ist unsere Website, dazu kommen Kampagnen in sozialen Medien sowie Beiträge und Interviews in weiteren Medien.

Was sind die zentralen Aufgaben der Stiftung – über Aufklärung hinaus?
Wir vermitteln Wissen über die lebenswichtigen Funktionen der Nieren und über Vorbeugung, Früherkennung und Behandlung von Nierenkrankheiten. Zudem unterstützen wir die Aufklärung und Sensibilisierung zur Organspende. Ein weiterer Schwerpunkt ist Information für nierenkranke Patient:innen und Angehörige. Und wir fördern Projekte – insbesondere wissenschaftliche Vorhaben mit hoher Patient:innenrelevanz.

CKD gilt auch in der Schweiz als grosse Volkskrankheit – warum wird sie dennoch so oft unterschätzt?
Weil CKD lange unbemerkt bleiben kann: Sie verursacht häufig keine „dramatischen“ Symptome, und Beschwerden sind oft unspezifisch. Dazu kommt: Viele Betroffene sterben an Herz-Kreislauf-Komplikationen, sodass CKD als zugrunde liegende Ursache nicht erkannt wird. Umso wichtiger ist die Früherkennung – denn es gibt Massnahmen, die das Fortschreiten in den meisten Fällen deutlich verlangsamen können.

Wie kann man CKD frühzeitig erkennen – konkret und praktikabel?
Mit zwei einfachen Tests: einer Messung im Blut und einer im Urin. Ein einmaliger Check kann auch bei gesunden Menschen sinnvoll sein. Regelmässig sollte man die Werte vor allem dann kontrollieren, wenn Risikofaktoren wie Bluthochdruck oder Diabetes vorliegen.

Prävention im Alltag: Welche Tipps sind für die Nierengesundheit besonders wirksam?
Eine gesunde Lebensweise ist zentral: genügend Bewegung und eine Ernährung mit viel frischem Gemüse und Früchten, wenig Salz sowie nicht zu viel Fleisch und Zucker. Im Kern sind es dieselben Empfehlungen, die auch andere häufige Krankheiten verhindern helfen.

Was wünschen Sie sich für die nächsten zehn Jahre – für Patient:innen und für die Umwelt?
Ein sorgsamerer, respektvoller Umgang mit der Umwelt und mit dem eigenen Körper.

www.nierenstiftung.ch

Share.
Leave A Reply Cancel Reply

Adresse

Herausgeber
Schweizer Fachmedien GmbH
Pfeffingerstrasse 19
CH-4153 Reinach

info@schweizerfachmedien.ch

Copyright © 2026 PRESTIGE BUSINESS Magazin
Exit mobile version